gsk unternehmensberatung
5. Lübecker Symposium Bearbeiten PDF Drucken

Best Hospital 2015

am 01. und 02. September 2008  an der Charite

 

 


Die beste Zeit einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren, die zweitbeste ist jetzt

Afrikanisches Sprichwort

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

in diesem Jahr steht das Lübecker Symposium unter der Devise eines afrikanischen Sprichwortes, wir stehen vor Herausforderungen und können sie noch und sollten sie jetzt annehmen.

Die deutsche Krankenhausgesellschaft schlägt Alarm: „Die Krankenhäuser in Deutschland stehen mit dem Rücken zur Wand. Jedes Jahr fehlen 4 Milliarden Euro in den Kliniken, um notwendige Investitionen vorzunehmen und um Gebäude zu modernisieren. Insgesamt hat sich ein Investitionsstau von rund 50 Milliarden Euro angehäuft.“

Ferner ist deutlich, dass die demografische Entwicklung den Anteil an älteren, multimorbiden Patienten signifikant steigen lässt, so dass der Behandlungs- und Pflegeaufwand wie auch die erhöhte Inanspruchnahme von Medikamenten und der Gesundheitsinfrastruktur steigen werden. Das Reservoir an Fachpersonal sinkt rapide und das noch vorhandene Personal wird im Durchschnitt älter, d.h. weniger belastbar.

Die Zahlen für den demographischen Wandel sprechen eine deutliche Sprache:

Die westlichen Bevölkerungen altern und Deutschland ist davon nicht ausgenommen, selbst wenn man eine mögliche Steigerung der Zuwanderung junger Ausländer in Erwägung zieht. Bis 2020 wird die Anzahl der über 65 jährigen Einwohner um bis zu 50 % und die der über 85 jährigen um bis zu 100 % gestiegen sein! In 2025 wird die Lebenserwartung für Männer bei 77 Jahren und für Frauen bei 82 Jahren liegen. Wenn man dazu noch die Verbesserung der Lebensformen und der Umweltqualität rechnet, könnte man sogar noch höhere Lebensdauern erwarten. Bei dieser Gelegenheit ist zu bemerken, dass die Lebenserwartung zu 27 % von biologischen, zu 19 % von Umweltfaktoren, zu 42 % vom Lebensstil und nur zu 11 % vom Gesundheitssystem abhängt (nach Dever,1976, Healthcare is more than care).

Die Anzahl der Kinder unter 15 Jahren wird bis 2050 in der Europäischen Union um knapp 20% abnehmen, wogegen die Zahl der 64 bis 79-Jährigen um rund 44% zunehmen soll. Die Zahl der über 79-Jährigen soll sogar um rund 180% ansteigen. Dadurch verändern sich die Relationen von Personen im Erwerbsalter (15-64 Jahre) zu Personen im Pensionsalter gravierend. Obwohl ein Teil der hinzugewonnenen Lebenserwartung in Gesundheit verbracht werden wird, ist doch ein deutlicher Anstieg des Behandlungsbedarfs in der Intensivmedizin sowie des Pflegebedarfs für ältere und vor allem sehr alte Menschen zu erwarten. Wenn man dazu noch berücksichtigt, dass das Betreuungspotenzial in den Familien durch den Trend zu kleineren Familien und einer steigenden Erwerbsquote der Frauen weiter abnehmen wird, wird deutlich, wie groß die Herausforderungen sind. Im Gegensatz dazu sinkt die Anzahl der Studierenden in Deutschland z.B. im Fach Humanmedizin rapide.

Im Ergebnis: Weniger Fachpersonal, höher belastetes und älteres Personal, höhere Patientenzahlen und personalintensivere Patienten führen dazu, dass die Belastungsgrenzen der Gesundheitseinrichtungen in absehbarer Zeit personell und sachlich überschritten werden.

Die Gesundheitseinrichtungen stehen daher vor permanenten Herausforderungen. Kosten sollen gesenkt werden,  die Versorgungsqualität soll jedoch gleichzeitig stabilisiert sowie gesteigert werden, was nur durch erhebliche Verdichtungen und Optimierungen der Infrastrukturen und Prävention, also durch erhöhte Investitionen gelöst werden kann.

Das sind die Herausforderungen der kommenden Jahre für das Management deutscher Gesundheitseinrichtungen, wie auch für die Politik, die involvierte GKV und die deutsche Wirtschaft.

Auf dem 5. Lübecker Symposium wird diskutiert, wie die Ausgangslage der deutschen Gesundheitswirtschaft, insbesondere die ambulante und stationäre Versorgung, sich in den kommenden Jahren entwickelt und mit welcher Strategie, Organisation und Technik darauf schnellstmöglich zu reagieren ist, so dass die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit erhalten und gestärkt wird.

Freilich gibt es eine Konstante, die bei allen Diskussionen nicht in den Hintergrund treten sollte: Die Menschen, die nicht gesund sind und eine möglichst optimale medizinische und pflegerische Hilfe von Seiten der Ärzte, Pflegekräfte und der Krankenhäuser erhoffen und benötigen.

Zweifelsohne sind die ökonomischen und technologischen Prämissen, denen wir uns widmen, ein wichtiger Aspekt. Hierbei dürfen jedoch die Adressaten allen gesundheitspolitischen Handelns, nämlich die Menschen, zu keinem Zeitpunkt aus dem Blickfeld geraten. Der Mensch und seine Bedürfnisse müssen im Mittelpunkt unserer Überlegungen und Anstrengungen stehen.

Dieses Symposium, das in Kooperation mit Kliniken und anderen Partnern aus Gesellschaft, Politik und Industrie einmal im Jahr in einem anderen Bundesland durchgeführt wird, bietet Gelegenheit sich praxisnah über die strategischen und operativen Entscheidungsgrundlagen, Chancen und pragmatische Lösungsansätze  inhaltlich und der Breite nach zu informieren, zu diskutieren und Projekte zu identifizieren, außerhalb des sich stetig wiederholenden Kongressmarktes.

Ich blicke daher mit großem Interesse diesem 5. Lübecker Symposium entgegen.

Wir hoffen auf einen intensiven Gedankenaustausch, eine lebhafte Diskussion und freuen uns auf Ihr Kommen.

Martin Henze
Geschäftsführer,
GSK Strategy Consultants